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Die Mumifizierung im Alten Ägypten
Mumifizierung nach Herodot und Diodorus Siculus Mumifizierung und Jenseitsvorstellungen
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Mit dem Terminus „Mumifizierung“ wird heute weitgehend die ägyptische Einbalsamierungsweise assoziiert. Dennoch waren die Ägypter nicht das erste Volk der Antike, welche sich mit der Erhaltung ihrer Toten beschäftigten. Bereits einige Jahrtausende vor der Hochkultur der Ägypter versuchten sich die Chinchorro, eine Sammler- und Jägerkultur aus den chilenischen Gebieten, mit der künstlichen Bewahrung menschlicher Körper. Die Einbalsamierungsmethoden der Chinchorro waren jedoch bei weitem korrupter und inhumaner als jene der Ägypter. Hier wurden die Leichen Enthauptet, Zerstückelt und Gehäutet, anschließend, nachdem das Gehirn abgeflossen war, wurden die einzelnen Körperteile mit Stöcken erneut zusammengesetzt und bemalt. Dennoch wurde der Name „Mumifizierung“ im heutigen Sinne von der Totenkultur des Volkes am Nil geprägt. Das Wort selbst entstand auf Grunde eines Irrtums: Besuchern Ägyptens, welche sich Leichen der altägyptischen Menschen betrachteten, vielen sofort die schwarze „Haut“ der Leichen auf. Diese Farbe entstand auf einer Harzbasis und nicht, wie die Besucher vermuteten, durch Pech- oder Bergteereinfluss. Durch die Assoziation mit Bergteer wurde das Wort mummy geprägt, dass mit dem arabischen Wort mummiya (Bergteer) in Verbindung zu bringen ist (Tyldesley 1999). Für die Ägypter selbst, war das Leben nach dem Tode essentiell, so dass die physische Aufrechterhaltung der Toten nur logisch erscheint. Erste Mumifizierungen entstanden auf natürlicher Basis. Die frühe Bevölkerung Ägyptens begruben ihre Leichen im Sand der Wüste, wodurch die Trockenheit eine Verwesung des Körpers verhindern konnte. Die bakterielle Vermehrung konnte so unterdrückt werden, was zwar ein Entweichen des Wassers zur Folge hatte, wodurch die Organe, Sehnen und das Bindegewebe erhalten blieb. Selbst die Haut, welche zu einer harten Membran wurde, die Nägel und die Haare konnten durch die Trockenheit konserviert werden. Damit der Geist des Menschen, in der ägyptischen Religion der Ka und der Ba (siehe unten), überleben konnte, musste der ganze Körper erhalten bleiben, damit folglich das Überleben des Geistes und der „Seele“ gesichert werden konnte. In den ersten Versuchen der Mumifizierung wurden lediglich viele Schichten eines festen Verbandes um die Leiche herumgewickelt – so exemplarisch bei der Leiche des Königs Djer [(Athothis) E:Jttj Horusname: Dr(j) G: Nj-nbw], eines der ersten Könige der dynastischen Ära (3. Herrscher der 1. Dynastie) (.Lehner 1997).
Die Entnahme der weichen Organe war die logische Folge. Sie mussten schnell nach dem Tod entfernt werden, um die Verwesung aufzuhalten. Um den Rumpf in seinem inneren austrocknen zu lassen wurden Leber, Magen und der Darm, durch Öffnung der Bauchhöhle, entfernt. Das leere Innere wurde mit harzgetränkten Leinen gefüllt, die Öffnung mit Harz zugeklebt und die entnommenen Organe wurden dem Verstorbenen, eingewickelt in Leinen, zusätzlich ins Grab gelegt (weil sie diese in ihrem späteren Leben noch brauchen würden). Reiche Menschen bevorzugten daraufhin eine Bestattung in ausgestreckter Form – oppositär zu der gekrümmten Lage in den Sandgruben – was auch den Balsamierern, durch Erleichterung der Arbeit, zugute kam. Die von Flinders Petrie in einem Meidum-Grab entdeckte Mumie des Ranefer (4.Dynastie) kann hierfür exemplarisch angebracht werden. Ähnliche Beispiele für Mumien des Alten Reiches wurden am „Deshasha-Friedhof“ entdeckt. In späteren Zeiten wurden die Eingeweide in Behältern aufbewahrt, wie beispielsweise im Grab der Hetepheres – der Mutter des Pharao Chufu (Cheops). Bals darauf wurde die Aufbewahrung der Organe in Behältern oder Holzkassetten konstitutiv.
Mumifizierung nach Herodot und Diodorus Siculus In der Zeit der 18. bis 21. Dynastie erreichte die Mumifizierung ihren Höhepunkt. Es schien als könne man die toten Körper für immer erhalten. Der Grieche Herodot soll nachfolgend die „teuerste“ Methode der Mumifizierung beschreiben, welche angeblich bei Osiris selbst angewendet wurde:
Vierhundert Jahre später beschreibt Diodorus Siculus was geschah, nachdem die Bauchhöhle geöffnet worden war:
Des weiteren beschreibt er eine weniger kostspielige und weniger arbeitsintensive Methode:
(Quelle: Originaltexte aus Tyldesley 1999)
Gräberszenen vermitteln den Eindruck, dass der Leichnam fast sofort nach dem Eintreffen in der Nekropolis in das Reinigungszelt („Ibu“ oder „Ibu en Waab“) gebracht wurde. Nach den Gräberdarstellungen ist das „Ibu“ eine Leichtkonstruktion aus Holzpfählen und Schilfmatten über einem Rechteck mit Durchgängen und Türen an beiden Seiten. Das „Ibu“ kann auch als Ort der Waschung bezeichnet werden. Hier wurde der Körper ausgezogen und gewaschen. Hierzu wurde eine Mischung aus Nilwasser und Natron verwendet, als Symbol der Wiedergeburt. Die gereinigte Leiche wurde in das „Per-Nefer“ (Schönes/ Gutes Haus = Haus der Mumifizierung) gebracht und auf einen Holztisch gelegt.
Die getrocknete Haut wurde mit Ölen einmassiert, um einen Teil der Elastizität wieder zu gewinnen. Über den Schnitt an der linken Seite wurde ein Horusauge (Udjatauge) geklebt, durch welches der Schnitt magisch geheilt wurde. Ab der 21. Dynastie wurden selbst die Gesichtszüge und die Glieder ausgestopft, damit die Leiche ästhetisch und schön aussieht. Der letzte Schritt der Mumifizierung war das Einwickeln der Mumie in feste Bandagen. Diese Arbeit nahm 15 Tage in Anspruch. Zu guter letzt wurde der Mumie die Totenmaske aufgesetzt, wodurch der Ka und der Ba den Toten erkennen konnte. Die gesamte Mumifizierung nahm 70 Tage in Anspruch. Diese Zeit hat eine mystische Bedeutung. Sie entspricht genau der Zeit, in welcher der Sirius- oder Sothisstern (Hundesstern) nicht am Himmel zu sehen ist. Nach Tyldesley stellte man so die Verbindung zwischen Tod und Auferstehung des Verstorbenen und Tod und Wiedergeburt des Sterns her.
Mumifizierung und Jenseitsvorstellungen Die Mumifizierung implizierte neben der Erhaltung des Körpers auch religiöse Vorstellungen. Bei der Einbalsamierung des Körpers handelte es sich gleichsam um eine Art rituelles "Theaterspiel", bei welchem nicht nur der Verstorbene die Rolle des Protagonisten einnahm, sondern ebenso die Balsamierer und Priester. Letztere übernahmen den Part der Götter durch die Personifikation der selbigen. Der Verstorbene wird durch die Mumifizierung zu Osiris, damit auch ihm dessen Schicksal - Tod und Wiederauferstehung - zu Teil werden kann. Als die Leiche des Toten gewaschen wurde, "verwandelten" sich die beteiligten Priester in die Reinigungsgötter Horus und Thot. Der oberste der Totenpriester wurde durch das Anlegen einer Schakalmaske zu Anubis, dem Totengott - welcher dem altägyptischen Glauben nach für die ordnungsgemäße Mumifizierung und Beisetzung des Toten verantwortlich war.
Neben dem Ba gab es auch noch die "Ka"-Seele, welche Schutz und Lebenskraft spendete. Wir würden heutzutage sagen: der Ka war genetisch (Lehner 1997), da er mehrere Generationen durchlief. Den Ka eines Menschen konnte man demnach zurückverfolgen bis zum Schöpfergott, welcher seinen Ka den Göttern übertragen hatte. Nach den Begräbnisritualen wurden der Ka und der Ba gemeinsam zum "ach" der endgültigen Verwandlung des Toten. Der "ach" kann in etwa mit dem geistigen Zustand oder dem Geist verglichen werden (ebd.).
Die dem Körper entnommenen Organe wurden ebenfalls gewaschen, getrocknet, gesalbt, mit Harz übergossen und in Leinen eingewickelt. Die schlichten Behälter oder Kassetten des Alten reiches wurden durch verzierte Stein- oder Tongefäße ersetzt. Diese waren mit Menschenkopf-Stopfen verschlossen. Diese Behälter werden heute „Kanopenkrüge“ (siehe Bild unten) genannt. Der Terminus „Kanope“ ist von „Canopus“ abgeleitet, dem Steuermann des Menelaos, der später in Ägypten in der Gestalt eines Kruges verehrt und mit Osiris assoziiert wurde. Zur Zeit der Meresanch III (Enkelin des Cheops und Gemahlin des Chephren) wurden erstmals die Eingeweide in vier verschiedene Krüge gelegt. Diese Kanopen wurden später selbst noch einmal in Kanopenkassetten gelegt. In der 19. Dynastie wurden die (oben genannten) Stöpsel durch die Köpfe der vier Horussöhne ersetzt:
Ab der 21. Dynastie wurden die Eingeweide in verpackten Päckchen dem Toten in die Bauchhöhle gelegt, und ab der 26. Dynastie wurden dieses Päckchen zwischen die Beine gelegt. Die Kanopen dienten somit nur noch der symbolischen Bedeutung. Bild: Glasierte Kanopenkrüge aus Fayence. Datieren in die 19. Dynastie:
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