| Das Sed-Fest des Pharaos
Die dreifache Sinngebung des Jubiläumslaufes Die Halbrunden und ihre Deutung Die Totenanlage des Djoser und ihre Bedeutung für das Sed-Fest |
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Das Sed-Fest diente dem Nachweis, dass der Pharao körperlich in der Lage war das Land zu regieren. Oftmals wird das Fest auch Jubiläumsfest oder Erneuerungsfest genannt, wobei dessen ägyptische Bezeichnung Hb-sed - so Decker (1987, 32) - in ihrer Deutung ungesichert ist. Die Herkunft des Festes reicht bis in die prädynastische Epoche hinein, während die letzten Überlieferungen bezüglich des Sed-Festes erst mit dem Ausgang der altägyptischen Kultur enden. Wie die Bezeichnung "Erneuerungsfest" schon andeutet, bestand die Funktion des Festes nicht nur in dem Nachweis der körperlichen Kraft des Königs, sondern auch darin, dass dessen physische und magische Kraft rituell erneuert und verjüngt wird (vgl. ebd.). Gewöhnlich fand das Sed-Fest nach dem 30. Regierungsjubiläum statt, später alle 3 Jahre. Ramses II. konnte in seiner Herrschaft demnach mehr als ein Dutzend Sed-Feste feiern zu denen er auch ausländische Gesandte einlud. Zur Deutung dieses wesentlichen Festes (im Laufe der Regierungszeit eines Pharaos) halfen insbesondere dramatische Darstellungen des Ramesseumspapyrus sowie Darstellungen des 1. Erneuerungsfestes Amenhotep III., welches im Grab des Cheriuf in Theben abgebildet wurde. Mehrere Pharaonen ließen Szenen des Sed-Festes an ihre Grabwände zeichnen, unter ihnen Niuserre, Djoser, Osorkon II. und Amenhotep III. An den Grabwänden des Totentempels Amenhotep III. finden sich sehr ausführliche Darstellungen des Festes die es uns ermöglichen die Feierlichkeiten zu rekonstruieren.
Als wichtigstes Element beim Erneuerungs- oder Jubiläumsfest galt der Lauf des Pharaos, der von vielen Fachwissenschaftlern als Kern des Zeremoniells betrachtet wird. Daneben musste der König - um seine körperliche Kraft zu beweisen - auch gegen einen Apisstier antreten (s.u.). Doch bleibt das Laufritual im Zentrum des Festes. Um die Wichtigkeit des Laufes hervorzuheben, sollen nachfolgend eine Bezeichnungen renommierter Ägyptologen angeführt werden. So spricht W. Helck von "seinem Kern, dem Besitzergreifungslauf", P. Munro bezeichnet den Lauf als "eine der Kernszenen des Sedfestes" und Kees nennt den Lauf das "Hauptcharakteristikum" (vgl. Decker 1987, 33). Bei diesem Lauf gab es keine Konkurrenten des Pharaos, da der Gedanke an Mitbewerber gegen das Königsdogma geht, bei welchem alleine der König der Garant der Weltordnung und die Reinkarnaktion des Königsgottes Horus ist. Der Lauf selbst dürfte kaum mehrere Kilometer betragen haben, da der gealterte König keine Dauerleistung vollbringen konnte. Aber dies war auch nicht notwendig wenn man sich einzig den rituellen und magischen Hintergrund der Sportleistung betrachtet. Laut Decker betrug eine derartige Laufstrecke ca. 140 Meter. Doch was hat nun der Apisstier in diesem Lauf zu tun? Nun, der Stier als Personifikation der Vegetation und Fruchtbarkeit kann dem Glauben nach durch "Analogiezauber" die Felder gedeihen lassen. Der Pharao soll durch den Lauf mit dem heiligen Tier an dessen Macht teilhaben und diese "segenbringend" auf die Felder übertragen (ebd.). Bild: Hatschepsut beim Lauf, Block aus Karnak:
Die dreifache Sinngebung des Jubiläumslaufes Der Jubiläumslauf kann unter einer dreifachen Sinngebung gesehen werden:
(vgl. Decker 1987, 41)
Die Halbrunden und ihre Deutung Über das Sedfest hat fast jeder Hobbyägyptologe oder Ägypten-Interessent schon einmal etwas gehört oder sei es auch nur das Wort selbst gehört zu haben. Doch was sind nun die Halbrunden? Die Halbrunden, sind zwei Mal drei halbrunde Motive oder Kreise die dem, im Laufschritt abgebildeten, Pharao beigefügt sind. Diese Male sind bildlich so angeordnet, dass drei davon vor dem König und drei davon hinter ihm dargestellt wurden. Dabei zeigten die halbrunden Kreise jeweils nach außen und die gerade Seite war dem Pharao zugewandt (siehe Bild unten). Über die genaue Bedeutung bzw. Sinngebung der Halbrunden kann nur spekuliert werden. Decker erklärt die Halbrunden wie folgt: "Es liegt nahe, in ihnen Elemente zu sehen, die mit der Laufbahn in irgendeinem näheren Zusammenhang stehen und die Laufstrecke markieren. Sie könnten ein Terrain begrenzen, das vom König umrundet wurde. Damit würden sie dem Gedanken des erneuten Eingreifens seines königlichen Herrschaftsbezirks augenfällig Ausdruck verleihen" (Decker 1987, 34). Anderen Theorien zufolge sollen die drei Halbrunden Wasserstellen oder die Erdhälften darstellen. Letztere Deutungsmöglichkeit (nach B. H. Stricker) gab dem Lauf eine kosmische Bedeutung, so dass der Pharao rituell um die Erdhälften laufen musste und so den Lauf der Sonne imitierte. Decker hält jedoch die Funktion einer "Begrenzung" des Herrschaftsgebietes am wahrscheinlichsten. An den verschiedenen Meinungen können wir sehen, dass die fachwissenschaftliche Diskussion um die Funktion der Male bzw. Halbrunden noch weiter anhalten wird. Bild: Anordnung der Male
Die Totenanlage des Djoser und ihre Bedeutung für das Sed-Fest Eine grandiose Entdeckung bezüglich der drei Halbrunden und des Jubiläumsfestes allgemein, gelang dem französischen Architekten J.-Ph. Lauer zu Beginn der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Er untersuchte den großen Hof im Süden des Djoser-Bezirks und stieß dabei auf zwei charakteristische Formen, die bis dahin nur von Reliefs bekannt waren. Der Form nach musste es sich bei diesen Gebilden um eine Darstellung der Halbrunden handeln, obwohl nur jeweils zwei (anstatt zwei mal drei) dieser Male am Boden dargestellt wurden. Auch hier sind die geraden Seiten einander zugewandt, während die runden Seiten von einander abgewendet sind. Bild der Halbrunden im Djoser-Bezirk:
Wie man gut erkennen kann, zeigen die Gebilde beinahe die Form des Buchstabens "B" auf. Die Entfernung zwischen den Malen betrug fast genau 100 ägyptische Ellen (ca. 55m). Aufgrund dieser Entdeckung wird die Grabanlage des Djoser auch als "die älteste Sportanlage der Welt" bezeichnet. Da es sich bei dem Djoser-Komplex - wie bereits gesagt - um eine Grabanlage handelt, dürfte die "Laufbahn" nur für sein Leben nach dem Tode bestimmt gewesen sein. Demnach fand sie möglicherweise keinen Einsatz bei dem wirklichen Jubiläumsfest. Auch wenn es sich um eine Laufbahn für die Ewigkeit handelt, kann doch vermutet werden, dass so - oder so ähnlich - aufgebaute Strecken vom Pharao umrundet werden mussten. Die Male könnten diesbezüglich als die zu umrundenden Stationen gedient haben. Die Deutungsmöglichkeit der Halbrunden als "Begrenzungszeichen für den Herrschaftsbezirk" und als symbolische Erdhälften korreliert demnach mit dieser Funktion.
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