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Medizin im Alten Ägypten
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Die Medizin der alten Ägypter korrelierte teilweise mit dem theologischen
Verständnis. Dies bedeutet, dass bei einigen Krankheiten – welche der
Arzt nicht heilen konnte – die Macht und die Hilfe der Götter erbeten
wurde. Aus diesem Grund bezeichnet Anton Curic den Arzt im Alten Ägypten
als „Medizinmann“ bzw. „Schamanen“, da sich die Medizin sowohl zu
einer empirisch-rationalen Heilkunst entwickelte, als auch zu einer
magisch orientierten. Der Autor postuliert, dass sich im Laufe der Zeit,
anders als man erwarten würde, verstärkt magische Aspekte in den
Vordergrund der medizinischen Praxis rückten. Konkret bedeutet dies, dass
im Alten Reich bzw. in den medizinischen Papyri des Alten Reiches der
Anteil der praktisch-rationalen Handlungen und Heilungen größer ist als
in späteren Epochen, in welchen die „Zauberei“ und göttliche Kraft
verstärkt benutzt wurde. Wo die menschlichen Fähigkeiten versagten
wurden die Götter angerufen. Unser heutiges Wissen über die Medizin im Alten Ägypten stammt – wie die Kenntnis der sonstigen Wissenschaften – aus überlieferten und erhaltenen Papyri als auch durch Inschriften und Darstellungen. Laut Clemens von Alexandria (ca. 200 n.Chr.) verfügten die Ägypter über 42 „Hermeneutische Bücher“, und über sechs medizinische Bücher. Diese gliedern sich wie folgend:
Die Mehrzahl der uns heute erhaltenen Bücher bilden medizinische Papyri,
wie etwa der Papyrus Ebers, Kahun oder Smith (siehe medizinische
Papyri). Viele dieser Papyri zeugen
von Krankheiten die in der damaligen Zeit allgegenwärtig waren. Zu
derartigen Krankheiten zählen etwa die Pest (wobei Pestnarben an
verschiedenen Mumien entdeckt wurden (vgl. Curic1999)), Ateriosklerose,
Arthritis, Verkalkung der Bandscheiben, Krebsgeschwüre, Steinvorkommen in
der Leber, eine Vielzahl von Parasiten in den Eingeweiden, etc. (vgl.
Budka 2000). klicke hierzu bitte hier
Das
haus des Lebens (oder "Lebenshaus") wurde als
Bild: Statue des Udjahorresnet, Hofarzt Kambyses und Dareios I. Die Mediziner waren gleichzeitig Priester. Sie unterstanden sowohl dem Schutz der Sachmet, als auch der Selket und der Neith von Sais, wonach sie neben den medizinischen Aufgaben auch kultische verrichten mussten. Nach Diodor mussten sich die Ärzte genau an die Vorschriften halten, die von früheren Ärzten (wie etwa Imhotep) schriftlich festgehalten wurden. Wie die Bezahlung der Ärzte aussah kann nicht 100%ig festgestellt werden. Dennoch gibt es Darstellungen - etwa jene im Grab des Neb-amun in Dra Abu el-Naga - die zeigen wie ein Arzt von einem ausländischen Patienten ein hohes Honorar in Form von diversen Geschenken erhält. Andererseits wurde wohl keinem der eine ärztliche Behandlung notwendig hatte, aber keine Zahlungsmöglichkeiten, die Hilfe verweigert. Es gab natürlich auch Ärzte am Hof des Pharaos, die dementsprechend auch belohnt wurden. Im Allgemeinen dürften die Ärzte zu den besser gestellten Menschen gehört haben, wie etwa einige Statuen zeigen (siehe oben Statue des Udjahorresnet). Die
Ärzte wurden im Haus des Lebens Auf die Frage ob auch Frauen Ärzte werden konnten, finden sich unterschiedliche Antworten in den Publikationen. Man fand diesbezüglich einen Titel, dessen Lesung aber nicht eindeutig ist: Pen-seschat (Name) jmj.t r3 swnw oder aber jmj (.t) r3 swn.wt. Ersteres wurde teilweise als "Vorsteherin der Ärzte" gelesen, das zweite als "Vorsteherin der weiblichen Ärzte" (Budka). Ob nun aus dieser unsicheren Lesung wirklich der Beweis gezogen werden kann, das Frauen Ärzte werden konnten, soll dahingestellt bleiben. Fest steht jedoch dass Frauen insbesondere bei der Geburtshilfe wertvolle Arbeit, beispielsweise als Hebamme oder später als Amme, leisten konnten.
Über das medizinische Handwerkszeug des Arztes gibt es - so Budka 2000 - keine direkten Hinweise in den überlieferten Papyri, so dass uns lediglich indirekte Verweise darüber informieren. Neben den handwerklichen Geräten galten auch die Papyri selbst als Instrument, da sie sowohl Informationen zu der Diagnose als auch zur Heilung gaben.
Einige Informationen zu den Geräten liefert der folgende Text:
Laut Budka könnte es sich bei einem dieser Geräte um das sogenannte "Trepan" handeln, mit welchem eine Schädelöffnung durchgeführt wurde.
Insgesamt gibt es nur wenig Hinweise auf eine ausgeprägte Zahnmedizin im Alten Ägypten. Anhand der Mumienbefunde können wir auf Zahnerkrankungen schließen, aber es lassen sich kaum Indizien für den Zahnarztberuf feststellen. Laut Budka (4/2000) wurde 1929 zunächst ein Fund aus einer Mastaba im Alten Reich als Beweis für die Existenz des Zahnarztberufes gewertet. Bei diesem Fund handelte es sich um zwei Backenzähne, welche durch einen Golddraht mit einander verbunden wurden. Schließlich stellte sich jedoch heraus, dass dieser Golddraht keineswegs bei einem lebenden Menschen eingebaut wurde. Demnach könnte es sich um eine Konstruktion durch einen Einbalsamierer gehandelt haben. Die Ägypter kämpften mit vielen Zahnbeschwerden wie etwa Abszesse und Abnutzungserscheinungen - wie die Mumie Ramses II. beweist (vgl. Bresciani 2002) - oder Parodontose. Die Abnutzungserscheinungen kamen beispielsweise durch die Nahrung, da selbst im Brot Sandspuren und Steinpartikel mit verarbeitet wurden (allerdings unbeabsichtigt). Einige Mumien - exemplarisch die des Amenhotep III. - zeigen dass es oft auch zu Zahnausfall kam , welcher wahrscheinlich durch die Parodontose ausgelöst wurde. Zu den fachtechnischen Termini zählen - so Budka - vor allem das "Befestigen" und "Ausstopfen". Demnach kann man wohl getrost sagen - sofern keine neuen Beweise gefunden werden - dass sich die Zahnmedizin auf das Erhalten der Zähne im Mund bezog, wobei die Ursachen nicht weiter erforscht wurden. Insgesamt sind bis heute nur fünf Belege für eine zahnmedizinische Handhabung gefunden worden. Davon stammten 4 aus dem Alten Reich und ein Beleg aus der 26. Dynastie (ebd.). Karies war hingegen bei den alten Ägyptern nicht bekannt. Dies verwundert nicht, da der Zuckerkonsum lediglich den "oberen Zehntausend" vorbehalten war. Durch die stetige Abreibung der Zähne hatte der Karies kaum eine Chance sich festzusetzen. Zusammengefasst kann man demnach sagen, dass die Zahnmedizin weniger umfangreich war als die Allgemeinmedizin. Wahrscheinlich weil die Kenntnis über die Substanzen, welche die Zähne zerstören nicht genügend erforscht wurde bzw. bekannt war.
hierzu
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In den erhaltenen medizinischen Papyri, wie etwa der Papyrus Smith, beschreiben nur wenige chirurgische Maßnahmen bzw. Behandlungen bei entsprechenden Verletzungen. Bis vor kurzem zweifelten selbst noch die Fachwissenschaftler, ob es denn je zu größeren Operationen kam. Diese Annahme geht auf verschiedene Werke zurück, da in diesen zwar viele verschiedene medizinische Professionen genannt werden, aber nicht explizit der Arzt als Chirurg. So schrieb der griechische Gelehrte und Ägyptenbegeisterte Herodot: "Jeder Arzt behandelt nur eine Krankheit, [...] es gibt Augenärzte, Ohrenärzte, Zahnärzte, Magenärzte und Ärzte für bestimmte innere Krankheiten." In dieser und anderen Aufzählungen wird kein Chirurg erwähnt, dennoch belehren uns die Mumien eines besseren. So hat der Anatom Ellioth Smith beispielsweise zwei Mumien gefunden, wobei eine einen geschlossenen Oberarmbruch, die andere eine Oberschenkelfraktur aufwiesen. Bei beiden Mumien wurden hölzerne Konstrukte gefunden, mit denen die Brüche geschient wurden. Der Papyrus Ebers gibt weiterhin Beispiele auf chirurgische Behandlungsmethoden, auch wenn diese nicht übermäßig oft auftauchen. Hier wird geraten sogenannte "Schwellungen" mit einem hemhem (Messer) zu öffnen. Was genau nun unter "Schwellungen" gemeint ist, wird nicht weiter spezifiziert. Möglicherweise könnten damit Geschwüre, Zysten oder Blasen gemeint sein.
Beschneidungsszene Zu weiteren chirurgischen Eingriffen muss auch die Beschneidung gezählt werden (Bild oben). Hierbei hilft ein Relief aus dem Grab des Arztes Anchmahor aus der 6. Dynastie in der Nekropole von Saqqara (Bild links). In der ersten Szene stellt die Abbildungen einen Jungen dar, dessen Arme von einer weiteren Person festgehalten werden. Vor ihm hockt der Mann der ihn beschneiden wird. Aus dieser Abbildung geht nicht hervor ob der Mann ein Arzt, ein Priester oder sonst eine Person ist. Dieser hockende Mann behandelt das Glied des Jungen mit einem Gegenstand. Ob dies einer rituellen Reinigung entspricht , ist nicht explizit hervorgehoben. In der zweiten Phase setzt der hockende Mann das Messer an der Vorhaut des Jungen an.
Die Diagnose ging zunächst - wie dies auch bei uns der Fall ist - einer Behandlung und gegebenenfalls einer Heilung voraus. Die uns überlieferten Papyri lassen den Schluss zu, dass es drei verschiedene Arten der Diagnose gab, voraus sich unmittelbare Handlungen ableiten ließen:
Diese Unterscheidung bedeutet, dass der Arzt sich zunächst die Krankheit ansah. Konnte er mit dem Leiden etwas anfangen, d.h. war es sie rational fassbar, konnte er sie behandeln. War er jedoch mit seinem Wissen am Ende, wurden die Götter zur Hilfe angerufen. Bei letztgenanntem konnte der Arzt nur noch Zaubersprüche sprechen bzw. mythologisch-medizinische Hilfe erteilen. Bei diesen Zaubersprüchen muss man jedoch zwischen den sogenannten Begleitsprüchen und den Zaubersprüchen ohne weitere medizinische Behandlung unterscheiden. Die Begleitsprüche konnten auch bei einer "heilbaren" Krankheit angewendet werden, d.h. sie wurden regulär bei einem medizinischen Vorgang gesprochen. Dies konnte beispielweise bei dem Einnehmen einer Medizin oder bei dem Auftragen einer Salbe geschehen. Anweisungen für das Stellen einer Diagnose finden sich exemplarisch im Papyrus Edwin Smith. Eine dieser Hilfestellungen sollen hier genannt werden.
An diesem Text wird deutlich, dass zunächst die Diagnose vorausging, wobei die Diagnose größtenteils die Entscheidung, ob die Krankheit heilbar ist oder nicht, beinhaltete. In den meisten dieser "Anweisungen" wird neben der Diagnose auch unmittelbar ein Hinweis auf die Behandlung gegeben.
Das (göttliche) Auge - seine Krankheiten und die (göttliche) Heilung Da die Vorstellung der Götter als antropomorph (menschlich) bezeichnet werden kann, verwundert es nicht, dass sie, exemplarisch neben der nächtlichen Barkenfahrt oder neben dem Feiern von Festen, auch krank werden konnten. Trat dieser Fall einmal ein, gab es natürlich auch Götter die die jeweilige Krankheit heilen konnten. Da diese „Geschichten“ oder „Gleichnisse“ von Menschen erzählt und (von einigen wenigen) auch aufgeschrieben wurden, stellen sie durchaus Dokumente dar, anhand welcher wir heute auf die Medizin, auf die damit verbundenen Heilpraktiken und Diagnosen schließen können, da sie menschliche Praktiken widerspiegeln.
Die Geschichte endet schließlich damit, das Thot und Re das Auge des Horus
wieder heilen können. Das wichtige an dieser Geschichte ist für uns nun
die Tatsache, dass eine Diagnose gestellt wurde. Eine Diagnose die in ähnlicher
oder gleicher Art und Weise auch im altägyptischen Alltag verwendet
wurde. Sehen wir nun welche Augenkrankheiten es gab, wodurch sie ausgelöst
wurden und was man dagegen tun konnte. Viele Augenkrankheiten wurden durch den allgegenwärtigen Sand in Ägypten
hervorgerufen sowie durch die stetige Trockenheit und die Fliegen die
stets durch die Feuchtigkeit des Auges angezogen wurden (Curic 1999).
Demnach waren Augenkrankheiten in Ägypten ein alltägliches Problem. Die
allseits bekannte Schminktechnik hatte diesbezüglich nicht nur
„kosmetischen“ Wert sondern auch medizinischen. Die Kohlestriche
dienten als Prophylaxe, und konnten so das Auge schützen. Daneben gab es
auch natürliche Verletzungen des Auges – beispielsweise durch Unfälle
- oder Verletzungen und Reizungen durch Fremdkörper sowie Stöße.
Weiterhin konnten Prellungen und Schwellungen verursacht werden.
Bakterielle Infektionskrankheiten, Gerstenkörner, vermehrter Tränenfluss,
Nachtblindheit und eine Trübung der Linse konnten ebenfalls als
spezifische Augenkrankheiten auftreten
(vgl. ebd.). In den verschiedenen Papyri werden diesbezüglich Ingredienzien genannt,
welche der Krankheit Heilung bringen sollte. Es werden überwiegend
Substanzen zum Einräuchern genannt, wie etwa Weihrauch oder Myrrhe. Zur
Prophylaxe wurden - wie erwähnt - die
Augen mit Kosmetika umrandet. Hierzu wurden mineralische Stoffe wie
Malachit, Lapialazuli oder Ocker – wobei die wertvolleren Substanzen überwiegend
von der reicheren Bevölkerung aufgetragen wurde. Neben diesen, doch eher
konventionellen Arzneien, werden aber auch ungewöhnliche Ingredienzien
verwendet. Hierzu zählen etwa Kinderkot, Fischgalle, Blut vom Rind oder
Schildkrötengalle. In einem uns erhaltenen Dokument wurden zahlreiche Rezepte gegen
„Blindheit“ angeführt. Nach A. Curic muss man unter dem hier verwendeten
Terminus „Blindheit“ jedoch lediglich eine vorrübergehende Sehschwäche
verstehen. Aus diversen Abbildungen und Darstellungen geht eindeutig hervor, dass es
einen Facharzt in dem Bereich Augenheilkunde gab. Diesen Schluss lässt
beispielsweise eine Wandmalerei in einem neuägyptischen Grab zu, auf
welchem ein Arzt auf einer
Baustelle abgebildet ist, das Auge eines Arbeiters behandelt. Neben dem
Arzt sind zwei Gegenstände dargestellt, von welchen der Eine, als
Arztkoffer gedeutet wurde, der Andere als Tongefäß in welchem sich möglicherweise
Flüssigkeit befand, die in das kranke Auge geträufelt wurde (vgl. Curic). Als Hilfsmittel wurde dazu eine Vogelfeder verwendet, die wie
eine Pipette angewendet wurde.
Die Theorie der Gesundheit und des Heilens nach Papyrus Moskau 127 Im Papyrus Moskau findet sich eine Theorie der Gesundheit und des Heilens.
Diese Theorie wird mit dem Sonnengott bzw. mit der Sonne und ihren
heilbringenden Strahlen in Verbindung gebracht. Der Text stellt demnach
eine Art „Rezept“ der Gesundheit und des Glücks da:
Heilpflanzen
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