Die Königstitulatur

Torinschrift Amenhotep II.

 

 

Die Titulatur des Pharaos kennzeichnet ihn als gegenwärtigen Vertreter der Königsherrschaft. Gleichzeitig  verweist sie aber auch auf das politische "Programm" das der König während seiner Herrschaft darlegt, darlegen will oder dargelegt hat. Die Königstitulatur setzt sich aus einer kanonischen Abfolge zusammen. Sie ist für alle Zeit verbindlich und setzt sich aus fünf Namen oder Titel zusammen:

  • Horusname

  • Nebtiname

  • Goldhorusname

  • Thronname

  • Geburtsname

Die heute noch existierenden Denkmäler aus der frühen dynastischen Ära nennen vorwiegend nur den Horusnamen, während ab der 6. Dynastie der Thronname ("König von Ober- und Unterägypten") dazukommt (vgl. Beckerath 1997). Vor den Geburtsnamen wurde weiterhin der Titel "Sohn des Re" gestellt. Alle fünf Titel des Pharaos wurden nur bei besonderen Inschriften (z.B. feierliche) aufgeführt, wobei die Reihenfolge der aufgeführten Namen stetig die selbe blieb (Reihenfolge wie oben aufgelistet). Die beiden letzten Titel, folglich Thron- und Eigenname, werden in einer Königskartusche geschrieben, welche eine magische Schnur darstellen soll, die den König schützen  soll.

1.Horusname:

 Der Horusname kennzeichnet den Pharao als Verdeutlichung des Himmelsgottes. Folglich wird der Pharao in der Rolle des Gottes Horus charakterisiert. Er bezeichnet somit die lebende Reinkarnation dieses Gottes . Die ersten Könige der dynastischen Ära wurden ausschließlich mit dem Horusnamen bezeichnet, während im Neuen Reich (Beginn 18. Dynastie) der Terminus „Starker Stier“ davor gesetzt wurde.

Beispiel:    1. Dynastie -» Horus Aha (Menes)

     2. Dynastie -» Horus Hetepsechemui

 

   19. Dynastie-» Ramses II.: Straker Stier, Geliebter der Maat,…

 2.Nebtiname:

Mit diesem Terminus werden die zwei Schutzgöttinnen für Ober- und Unterägypten angesprochen: Nechbet (Oberägypten) und Wadjet (Unterägypten). Der Name soll auf die Vereinigung von Ober- und Unterägypten hindeuten. So wird exemplarisch der Pharao auch als „Herrscher der zwei Länder“, „Herr der beiden Länder“ oder auch „König von Ober- und Unterägypten bezeichnet.

 3.Goldhorusname:

Der Goldhorusname wird oft auch als "Goldname" bezeichnet. Nach T. Schneider (1997) ist diese Bezeichnung bis heute noch unzureichend geklärt. Möglicherweise geht der Ursprung auf den Falken (Horus) selbst zurück, der über dem Halskragen mit dem Symbol für Gold geschrieben ist.

 4.Thronname:

Dieser Name steht stets in einer Kartusche und wird meist durch die Bezeichnung „König von Ober- und Unterägypten“ eingeleitet

 5.Geburtsname:

Wie der Begriff bereits andeutet, gibt er den Namen wieder, welchen den Pharao bei seiner Geburt bekommen hat und als Prinz getragen hat. Er wird von dem Ausdruck "Sohn des Re" eingeleitet, weil der König seit der 4. Dynastie auch als Sohn des Sonnengottes Re galt.

 

Torinschrift Amenhotep II.

Die oben abgebildete Kalksteinplatte stammt aus der 18. Dynastie (um 1400 v.Chr.) vom Tempel Amenhotep II. Unter der geflügelten Sonnenscheibe befinden sich zwei Zeilen  die die wichtigsten Elemente der königlichen Titulatur beinhalten. Das Ach-Zeichen oder Lebenszeichen  in der Mitte, unter der Flügelsonne verweist auf  den Beginn des Leseverlaufs. Die obere wie die untere Zeile beinhalten jeweils zweimal den selben Text, der auch jeweils spiegelbildlich angeordnet ist. 

Die erste Zeile nennt den König als "König von Ober- und Unterägypten", woraufhin die Namenskartusche: '3-hprw-R' (Mit großen Gestalten, Re) angeschlossen ist: Auf diesen Thronnamen folgt der Beiname (Geliebt von Harmachis). Die untere Zeile wird durch den Terminus S3-R' (Sohn des Re) eingeleitet. Hier schließt sich der Eigenname  Jmn-htp ntr-hq3-Jwnw (Amun ist gnädig, Gott,  Herrscher von Theben) an, der wiederum von einem Epitheta (Beinamen) begleitet ist: dj 'nh dt (beschenkt mit Leben ewiglich).