Achit-Aton - die neue Residenz

Einleitung

Aufbau der Stadt

Die 14 Grenzstelen

Lageplan

 

Einleitung:
  Zu Beginn des 6. Regierungsjahres verlegte Echnaton seine Residezstadt von Theben an einen "reinen" Ort, an dem zuvor noch keine Götter angebetet wurden: Achit-Aton (= Horizont des Aton), das heutige Tell el-Amarna (Bild: Überblick über das heutige Tal). Achit-Aton lag auf halben Wege zwischen Theben und Memphis, bzw. heute auf der Hälfte der Strecke zwischen Luxor und Kairo.

 Heute ist es Touristen nur schwer möglich nach Tell el-Amarna zu gelangen, da die Stadt bzw. die Überreste in einem politisch unruhigen Gebiet in Mittelägypten liegen. Die Stadt wurde in der Ramessidenzeit bis auf die Fundamente abgetragen, so dass Informationen nur durch archäologische Klein- und Feinstarbeit gewonnen werden können. Dennoch sind einige Bauten bzw. deren Zuschreibung nicht vollkommen gesichert, da wie bereits gesagt die Stadt sehr früh wieder aufgelöst wurde.

Durch gefundene Inschriften in Achit-Aton geht hervor, dass die ersten Bewohner bereits im Jahr 5 der Regierung Echnatons hier ansiedelten. Die "jüngste" gefundene Inschrift spricht von einem Jahr 17, das aber durchgestrichen wurde und durch die Zahl 1 ersetzt wurde. Demnach ist es sehr wahrscheinlich, dass Echnaton im 17. Regierungsjahr starb und der neue Herrscher (Semenchkare) seinen Platz einnahm (El-Mahdy 2000).

Nachdem die Stadt bzw. der Standort im 4 Regierungsjahr Echnatons geplant und erwählt wurde (was aus den Grenzstelen hervorgeht), wurden die Gebäude entworfen und erbaut. Über die Fundamente wurde zunächst eine dünne Schichte Mörtel aufgetragen, über welchen man anschließend die Mauern errichtete. Der untere Teil dieser Mauern bestand aus sonnengetrockneten Lehmziegeln, der obere Teil aus Stein. Die verwendeten Steine waren meistens aus Kalk, der am Westufer gebrochen wurde. Neben Kalkstein wurde jedoch auch Stein aus dem nördlichen Tura und Sandstein (Talatat-Blöcke) aus Gebel el-Silsila verwendet.

Gerade in Achit-Aton wurden ganz besondere Steine verwendet, die sogenannten Talatat-Blöcke des Echnaton. Diese drei Handspannen breiten Blöcke haben ihre Bezeichnung durch deren charakteristische Form. Sie sind 52 cm hoch, 26 cm breit und 26 cm tief. Aufgrund dieser Form und des Namens (talata: arab.: "drei") werden sie auch als "Dreier" bezeichnet. Sie lassen sich aufgrund der spezifischen Ausmaße entsprechend leicht im Steinbruch abbauen und transportieren, so dass in Kürze entsprechend große Bauwerke entstehen können.

Beispiel eines Talatat-Blockes (Fotograph: Dr. Karl H. Leser):

zusammengestzte Talatat-Blöcke

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Aufbau der Stadt:

Bild: El-Mahdy 2000

Die Hauptstrasse:

Wie die meisten Städte des alten Ägypten wurde auch Achit-Aton entlang einer Hauptstrasse - die parallel zum Nil gelegen war - erbaut. Diese Hauptstrasse , die in Nord-Südrichtung verlief, wird heute als Sikket es-Sultan oder Königsstrasse bezeichnet (El-Mahdy 2000). Die Königsstrasse verband alle wichtigen Gebäude (wie die Palastanlagen) miteinander. Sie war nicht gepflastert, sondern war mit  kiesartigen Steinen belegt, so dass eine harte Oberfläche gegeben war. Die Gebäude wurden mit ihrer Vorderseite entlang dieser Hauptstrasse erbaut.

Der Große Tempel (Aton-Tempel):

In der Mitte der Ebene befand sich der Große (Aton)-Tempel , dessen Rückseite auf das Wadi in dem sich das Königsgrab befand ausgerichtet war. Der Tempel selbst bestand aus einem Heiligtum, einem Schlachthof, dem Haus des Jubels, Opferaltären und dem Gempaaton. Südlich lagen die Vorratshäuser, die Räume der Priester sowie die Magazine.

Rekonstruktion des Aton Tempels (Großer Tempel):

 

Die Palastanlagen:

In Nord-Südrichtung wurde Achit-Aton von mehreren Palastanlagen durchzogen, die jeweils an der Königsstrasse lagen. Im Norden stand der große Palast der wiederum durch die Hauptstrasse in einen westlichen und einen östlichen Teil getrennt wurde. Die von der Hauptstrasse östlich gelegenen Palastteile wurden als Privatgemächer genutzt, die mit Säulenhallen und besonders bunt geschmückten Wänden ausgestattet waren (El-Mahdy 2000). Von diesen Privatgemächern, an welche sich ein weiterer kleiner Tempel (möglicherweise für die private Nutzung durch die Königsfamilie) anschloss, führte eine Brücke zu dem westlich gelegenen öffentlichen Palastteil.

Nach Schlögl (1993) befand sich an dieser Brücke das sogenannte "Erscheinungsfenster", durch welches die königliche Familie (beim durchgehen) der Öffentlichkeit sichtbar wurde und von wo aus das Ehrengold verliehen wurde. Da sich die Brücke an der Hinterseite der Privatgemächer befand, muss demzufolge auch das Erscheinungsfenster auf der rückwärtigen Seite gelegen haben. El-Mahdy (2000) hingegen geht davon aus, dass das "Fenster der Erscheinung" auf der Vorderseite der Privatgemächer gelegen haben muss. Diese Annahme stützt sich auf Darstellungen des Palastes an den Wänden der  Beamtengräber von Achit-Aton.

 Über die Brücke konnten auch die südlichen Teile des Palastes erreicht werden, welche der Öffentlichkeit nicht zugänglich waren (da sie von der Hauptstrasse nicht erreichbar waren). Dieser Komplex bestand aus einem größeren Gebäude, Gärten und einer Reihe kleinerer Gebäude aus Quarzit. Eine Fachwissenschaftler bezeichnen diesen Komplex (mit Fragezeichen) als Harem (Angela Thomas oder Hermann A. Schlögel). Die ägyptische Übersetzung führt uns auf den Begriff "Sonnenschatten" wonach die Benutzung als "Zufluchtsort" vor dem regen Treiben der Öffentlichkeit wahrscheinlicher ist (El-Mahdy 2000).

öffentliche Gebäude:

Diese Bezeichnung für einen teil der Bauten in Achit-Aton ist zwar etwas wage, dennoch ist dies die offizielle Bezeichnung der Archäologen. Mit "öffentlichen Gebäuden" sind zunächst alle diejenigen gemeint, die keine explizite Zuschreibung erfahren konnten. Aufgrund der Lage zum Palast und dem Aton-Tempel sowie aufgrund der Gefundenen Artefakte können etwaige Verwendungen angegeben werden. So war eins dieser Gebäude beispielsweise das "auswärtige Amt", wo keilschriftliche Tontafeln gefunden wurden.

Das Arbeiterdorf:

Im Arbeiterdorf, das sich von der Stadtmitte im Osten befindet, lebten die Menschen, welche die Stadt erbauten und für alle weiteren bauten verantwortlich oder tätig waren. Die Strasse über die das Dorf zu erreichen war, verlief hinter dem großen Aton-Tempel her und war von diversen Wachposten gesichert, so dass der Weg in das Stadtzentrum und zurück durchaus ungefährlich uns stetig bewacht war.

Die Gräber von Achit-Aton:

Die Gräber der neuen Residenz von Amenhotep IV.-Echnaton befanden sich hinter der Stadt in einem "Felsenrund". Das Grab des Königs wurde in der Mitte des Felsen (wo sich ein Wadi befand) angelegt, so dass es nicht unmittelbar an die Beamtengräber grenzte.

 

Die 14 Grenzstelen:

Die Grenzen der neuen Residenz von Echnaton wurden durch 14 Stelen markiert (Schlögl 1993; Höber-Kamel 2002). Drei (Stele A, B, F) der insgesamt 14 Grenzstelen wurden auf dem Westufer des Nils errichtet, die übrigen 11 auf dem Ostufer. Laut Höber-Kamel wurden die ersten drei Stelen im 5. Regierungsjahr, am 13. Tag des 4. Monats der peret-Jahreszeit aufgestellt, die restlichen genau ein Jahr später. Die Stelen werden heute durch eine Buchstabenfolge gekennzeichnet so dass es folgende Stelen zu verzeichnen gibt:

Stele:  
Stele A Stele P
Stele B Stele Q
Stele F Stele R
Stele I Stele S
Stele K Stele U
Stele M Stele V
Stele N Stele X

 

eine der Grenzstelen von Achit-Aton   Durch die Stelentexte können wir einiges über das Leben und den Aufbau Achit-Atons erfahren. So berichtet eine Grenzstele, dass der Pharao im 4. Regierungsjahr den Standort seiner neuen Hauptstadt fand (El-Mahdy 2000). Die Stele aus dem Jahr 5 betont, dass kein Mensch den Standort der Stadt erwählt hatte, sondern Aton persönlich. Aufgrund dieser göttliche Wahl gelobt Echnaton niemals die Stadt zu verlassen, auch wenn seine Beamten oder gar die Königin ihn von einem anderen Ort überzeugen wollen (Höber-Kamel in Kemet1/2002). Im weiteren Verlauf des Textes sorgt Echnaton für seine Begräbnisstätte im Ostgebirge und hält schriftlich fest, dass er persönlich die Opferhandlungen für Aton ausführt. Durch diese Texte erhalten wir demnach Einblick in die Intensionen Echnatons bezüglich seines Lebens in Achit-Aton und seiner Vorstellungen.

In einer Inschrift einer Stele aus dem 6. Regierungsjahr schwört Echnaton, dass er die Stadtgrenzen immer bewahren wird. Um diesen Schwur nicht zu brechen wurden die genauen Ausdehnungen der Residenz auf der Stele festgehalten, so heißt es:

 

Achit-Aton, von der südlichen bis zur nördlichen Stele, in Abmessung zwischen Stele und Stele auf dem Ostberg von Achet-Aton macht sechs Iteru [1 iteru = 10,5 km] eindreiviertel Chet [1 chet = 52,5 m] und vier Meh [1 meh = 52,5 cm]. In ganz genau gleicher Weise macht es von der südwestlichen Stele von Achit-Aton bis zur nordwestlichen Stele auf dem Westberg von Achit-Aton sechs Iteru, eindreiviertel Chet und vier Meh. Das innere Gebiet dieser vier Stelen vom Ostberg bis zum Westberg ist das eigentliche Achit-Aton.

Textquelle: Höber-Kamel in Kemet1/2002

 

In einem Kolophon, einer monumentalen Schlussinschrift auf einer Stele aus dem 8. Regierungsjahr erneuert Echnaton seine Schwur, die Grenzen der Stadt niemals wieder zu verlassen. Dieser Schwur lässt - im Zusammenhang mit der Errichtung der Stele - die Hypothese zu, dass Achit-Aton frühestens im 5. Regierungsjahr, spätestens aber im 6. Jahr fertig gesellt wurde (El-Mahdy 2000). bei einem Vergleich der Inschriften geht somit hervor, dass diese monumentale Stadt in nur 2 (maximal 3) Jahren erbaut wurde.

Mit Hilfe dieser Grenzstelen ist es demnach möglich etwas über das Leben der damaligen Menschen in Achit-Aton zu erfahren.

 

Lageplan:

Lageplan von Achit-Aton nach C. El-Mahdy 2000:

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